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Interview mit Martin Sellner

Interview mit Martin Sellner

“Meine Name ist Martin Sellner. Ich wurde am 8. Jänner 1989 in Wien geboren und bin seit August 2019 mit Brittany Sellner verheiratet. Ich habe Philosophie und Rechtswissenschaft studiert und arbeite derzeit als Grafiker, Autor und Journalist. Doch das sind nur Nebensächlichkeiten. Die Hauptsache sind meine Heimat und die nachkommenden Generationen, denen ich mich verpflichtet fühle. Diesem Pflichtgefühl Rechnung tragend, beteiligte ich mich im Jahr 2012 an der Gründung der Identitären Bewegung Österreich, die in den folgenden Jahren als Teil einer europaweiten patriotischen Jugendbewegung durch zahlreiche Aktionen und Kundgebungen Aufsehen erregte. Unser Ziel war und ist der Aufbau einer patriotischen Gegen- und Protestkultur und damit die Stärkung der Demokratie als patriotische Zivilgesellschaft. Als Aktivist und Organisator arbeite ich daran mit. Als Journalist bin ich Teil der Gegenöffentlichkeit und gebe auf YouTube Kommentare zum politischen Zeitgeschehen ab.
Meine Tätigkeit führte, insbesondere in den letzten beiden Jahren, zu massiven Repressionen der Gegenseite.”

Link zur Netzseite von Martin Sellner:

https://martin-sellner.at/ueber_mich/

Frage und Antwort

### Politische Aktion ###

Die Zukunft Deutschlands steht und fällt mit der Identität seiner jungen Leute. Gelingt es, ein nationales Bewußtsein in Erinnerung zu rufen, erscheint ein Stimmungsumschwung zu Selbstachtung und nationaler Verbundenheit möglich. Welche Initiativen hältst Du für geeignet, um diese Entwicklung zu fördern?

Der Bevölkerungsaustausch beginnt altersmäßig „von unten“. In vielen deutschen Städten ist, wenn man sich auf Herkunft und Identifikation mit Deutschland bezieht, also gar nicht mehr von einer „deutschen Jugend“ zu sprechen. Unter den Verbliebenen findet sich im Westen ebenfalls wenig nationales Bewusstsein. Gerade da wo deutsche Jugendliche in der Minderheit sind findet eine Anpassung statt. Die fehlende Masse, die fehlende Kraft öffentliche Räume zu besetzen und Stärke auszustrahlen wirkt sich auch fatal auf den Widerstandsgeist aus. Wo im Westen noch eine Mehrheit an jungen Deutschen besteht befinden wir uns in der Regel im linksgrünen Isolat der Oberklasse, dass vollkommen umerzogen und antideutsch ideologisiert ist. Ausweichventile der jugendlichen Rebellion ist dann die – mittlerweile im Mainstream etablierte – linksterroristische Antifa, oder die kosmopolitische „Klimabewegung“. Im Osten zeigt sich ein anderes Bild. Hier besteht noch eine echte Substanz, die Hand in Hand mit einer Dominanz über öffentliche Räume geht. Hier kann noch eine genuin rechte Gegenkultur entstehen, die auch den bedrängten Westen geistig „entsatzen“ könnte. Alles was im metapolitischen Bereich agiert, von Aktionismus, über Musikprojekte bis hin zu Theorieblogs, kann hier einen Beitrag leisten.

Nach der Demontage der IB in Österreich durch Hofer, wie ist Deine Strategie, weiter auf den Zeitgeist zu wirken?

Für uns als strategische Idealisten ist jede Bewegung und jedes Zeichen immer nur Werkzeug zum Ziel und kein subkultureller Selbstzweck. Das Symbolverbot der IB in Österreich bedeutet daher vorerst keine völlige „Demontage“ wie z.B. das direkte Verbot in Frankreich. Die Strategie der Identitären Aktionsgruppen bleibt in jeden Fall dieselbe: Änderung der Politik über Metapolitik und eine „Kulturrevolution von Rechts“, durch das Werkzeug der Aktion, dem Aufbau von Infrastruktur und geistiger Vorarbeit.

Wie schlägt man daraus Kapital, daß Kickl die IB verteidigt?

Kicks fulminante Verteidigung des Rechtsstaats, was die Verteidigung der IB einschloss, steht für sich. Man muss und soll sie soweit wie möglich verbreiten, damit sie ihre volle Wirkung entfaltet. Diese vollzieht sich nach innen und nach außen. Im rechten Lager, vor allem in Parteien, wird damit der Distanzierungsreflex abgemildert. Die FPÖ hat immer noch eine prägende Vorbildwirkung für viele andere Rechtsparteien. Die klare Haltung des Parteichefs wird Schule machen. In der Gesellschaft wirken die – längst überfälligen – Worte Kicks ebenfalls befreiend. Die gesamte Kriminalisierung unserer Bewegung baut auf Lügen auf. Perfiderweise geschieht sie zeitgleich mit dem „Deplatforming“ und der digitalen Todesstrafe, weswegen unser Protest dagegen nicht durchdringt. Wer als Rechter eine große Reichweite hat, hat die Verantwortung hier Einspruch zu erheben. Kickl tat das und das verdient das hächste Lob.

In der zurückliegenden Fußball-Europameisterschaft wird der Sport politisiert wie selten zuvor. Welche Rolle sollte die körperliche Ertüchtigung in der Jugendbildung Deiner Meinung nach spielen?

Sport ist zentral. Der Körper sollte das geistige Leben widerspiegeln. Eine Weltanschauung die von Ordnung, Hierarchie, Disziplin und Konsequenz geprägt ist, sollte sich auch körperlich ausdrücken. Gemeinsamer Sport schweißt zudem zusammen und macht fit für linksextreme Angriffe und Wettläufen mit den Ordnungskräften.

### Medien und Strategie ###

Patriotische Projekte werden immer wieder auf Medienplattformen wie YouTube, Facebook und Twitter zensiert. Was hilft dagegen?

Vorerst nichts. Deplatforming ist eine Realität mit der wir leben müssen. Sie ist letztlich Ausdruck der Übermacht des linksliberalen Universalismus. Er verrät damit zwar die Phrase der „Demokratie“ und sein wahres Gesicht als totalitärer Zensor. Allein: diese Tatsache kann ebenfalls keine Breitenwirkung erreichen, da auch der Protest über die Zensur zensiert wird. Wichtig ist es so weit als möglich, das träge Konsumverhalten des rechten Lagers zu ändern, sodass eine immer größere Masse, dynamisch den Zensierten auf neue Plattformen folgt.

Was ist wichtiger: Mediale Reichweite oder stärkere gesellschaftliche Durchdringung?

Gesellschaftliche Durchdringung ist wichtiger, doch ohne medialer Reichweite und damit Teilhabe am öffentlichen Diskurs, ist auch die Organisation und Vernetzung der eigenen Kräfte schwer. Kommunikation ist das Lebensblut der Politik, und wenn man den Blutkreislauf eines Lagers gezielt verlangsamt, hat es einen klaren Nachteil, gegenüber anderen Bewegungen, deren Ideen bewusst zirkuliert werden.

Für eine rechte Gegenkultur: Marsch durch die Institutionen oder Gründung eigener Institutionen?

Marsch durch die Institutionen ist für Rechte im Moment schwer denkbar. Das System ist nicht neutral, oder gar wie damals für die 68er offen für deren Schuldkultideologie. Man darf auch den Einfluss der Besatzungsmächte für die Umerziehung damals nicht außer Acht lassen. Man kommt an der Gründung eigener Strukturen nicht vorbei. Diese sollen selbstverständlich auf die etablierten Räume einwirken und dort in ständiger Präsenz Leute rekrutieren und die herrschenden Ideen angreifen. Aber das Standbein muss außerhalb des etablierten Raums stehen.

Welchen Stellenwert hat Technik für die Metapolitik? Was kann man von Heideggers Kritik der Technik lernen?

Die Frage der Metapolitik und die philosophische Kritik Heideggers an der Technik hängen zwar zusammen, doch ist das Verhältnis sehr komplex und verwunden. Konkret ziehe ich persönlich aus Heideggers „Gelassenheit zu den Dingen“ auch eine Art Rechtfertigung sich als Rechter oder Traditionalist der Taktiken und Kommunikationsmittel der linksliberalen Moderne zu bedienen und nicht den Weg der Amish zu gehen. Wichtig ist dabei, sich nicht von der Technik, oder dem nackten Machtdenken völlig vereinnahmen zu lassen.

### Theorie ###

Was bedeutet Ethnopluralismus im Gegensatz zu multiethnischen Gesellschaften? Ist der Ethnopluralismus mit der Bildung von Vielvölkerstaaten kompatibel?

Ethnopluralismus bedeutet im Grunde einfach die Akzeptanz und Wertschätzung der Tatsche, dass der Mensch ein Gemeinschaftswesen ist, dass nur je konkret verwurzelt in eine Vielfalt, politisch unabhängiger, kulturell und religiös unterschiedlicher Gruppen vorkommt. Diese Tatsache wird vom Ethnopluralisten nicht als rückständige Durchlaufsphase, oder aufzuhebende „Trennung“ der einen Menschheit aufgefasst. Multiethnische Staatsformen, wie etwa Reiche gab es auch in vormodernen Zeiten immer wieder. Einige hatten durchaus einen „ethnopluralistischen“ Charakter und die Wirkung des agonal Politischen lässt eine Welt als friedlicher „Völkerzoo der Koexistenz“ nicht zu. Jedoch ist Existenz eines „multiethnischen Nationalstaats“, bereits im Prinzip widersprüchlich und erzeugt alle „identitätspolitischen Probleme“, unter denen wir heute leiden.

Gibt es eine Alternative zu der von den Regierungsmedien als menschenverachtend gebrandmarkten Remigrationsforderung?

Als politische Lösung der Identitätsfrage, ist die Remigration alternativlos. Ein Einwanderungsstopp allein kann Jahrzehnte der Ersetzungsmigration nicht wett machen. Die ethnoreligiösen Spannungen können nur durch eine Politik der Leitkultur und „Minusmigration“ abgebaut werden. Ist eine Umsetzung dieser Politik nicht möglich, was sich letztlich an ihrer metapolitischen Normalisierung entscheiden wird, ist der nächste logische Schritt, der Versuch als indigene Minorität das Überleben der eigenen Identität vom Staat abzukoppeln. Dieses Szenario, das man als „Sezession statt Remigration“ bezeichnen könnte, wird sich ebenfalls als schwierig gestalten, da indigene Europäer, unabhängig von ihrem Bevölkerungsanteil auch in einer de facto Multiminoritätengesellschaft, de jure als staatstragende „Mehrheit“ betrachtet werden, die man nicht diskriminieren kann (und die gar „beleidigungsunfähig“ ist, wie im Köterrasse-Fall festgelegt wurde). Eines von beiden muss aber gelingen, wenn unsere Identität und unser Wesen dieses Jahrhundert überdauern soll.

### Vernetzung und Jugendarbeit ###

Wie können rechte Akteure besser vernetzt werden?

Natürlich durch PatriotPeer! Abgesehen von dem Projekt, an dem übrigens nach wie vor gearbeitet wird, ist der digitale Raum der ideale Ort der Vernetzungsanbahnung. Ohne konkrete Infrastruktur, also Räume vor Ort, sind aber alle Telegramgruppen und Discordserver nichts wert.

Viele aktive, junge Leute kennen sich nicht, wie kann der Jugend Räumlichkeiten zu Verfügung gestellt werden?

Bevor man einen Raum erhalten und bespielen kann, braucht man erst den Keim einer aktiven Gruppe. Die drängt dann von sich aus zum Raum und wird – eine entsprechende Aktivität und Präsenz vorausgesetzt – dafür auch immer die notwendigen Immobilien und Unterstützer finden. Zuallerst müssen sich also lokale Kräfte vernetzen, eine Bezugsgruppe gründen und dann aktiv werden.

Für viele junge Leute sind Reisen durch Großdeutschland zu kostspielig. Wie kann die rechte Jugend finanziell unterstützt werden, um an möglichst vielen Wochenenden in verschiedenen deutschen Städten die Veranstaltungen und Aktionen der lokalen Patrioten besuchen zu können?

Flixbus fährt im Moment für X Euro von Berlin nach Wien. Ich denke nicht, dass die Mobilisierung für Demos am Geld scheitert. Dennoch ist es wichtig, dass der Aktivismus den Aktivisten nicht in Schulden stürzt. Hier ist es Aufgabe der lokalen Gruppen, unter ihrem Namen und Logo Solidarkampagnen zu fahren, die sicher ihre Unterstützer finden werden, wenn die Gruppe sich durch Aktionen bewiesen hat.

Wie können junge Menschen für die rechte Sache begeistert werden?

Durch starke Bilder, klare Worte und wahre Ideen. Letzter haben wir, erster und zweitere müssen wir erzeugen und zeitigen. Der Aktivismus ist die direkteste und beste Methode, mitreißende und mobilisierende Bilder zu schaffen, weswegen nach wie vor kein Weg an ihm vorbeiführt um Menschen zu begeistern.

Und zu guter Letzt:

Wann bist du mal wieder in Berlin? Die Stadt wirkt so leer ohne dich 😜

Vielleicht ruft mich der „revolutionäre Herbst“ der Coronaproteste ja bald wieder ans Brandenburger Tor!

Dieser Artikel erscheint vorerst nur in der Online Ausgabe. Sie können das Printmagazin bei Staatsreparatur, Jungfernstieg 4 B, 12207 Berlin-Lichterfelde beziehen oder unter der Telefonnummer 030844155610 bestellen.