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Doppelte Standards

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Gleiches Recht für alle

Stellen wir uns vor, ein Großreich herrscht viele hundert Jahre über ein bestimmtes kleines Gebiet an seiner Grenze. Dann kommt dieses kleine Gebiet aufgrund geschichtlicher Ereignisse, Krieg oder politischer Entscheidungen unter die Herrschaft eines anderen mittelgroßen Staates und als später dieser mittelgroße Staat zerbricht, kommt es zu einer demokratischen Abstimmung über die Rückkehr des kleinen Gebietes in das historische Großreich, die mit Mehrheit angenommen wird. Ist es nicht grundsätzlich zu respektieren, wenn die Menschen in einem Gebiet sich frei entscheiden, dem einen oder anderen Staat anzugehören? Ist es ethisch richtig, eine demokratische Abstimmung zu verwerfen oder rückgängig machen zu lassen, nur weil einigen Mächtigen das Ergebnis nicht passt?

 

Im 15. Jhdt. erlangte Österreich die Kontrolle über das heutige Slowenien. Nach vielen hundert Jahren habsburgerischer Herrschaft über Slowenien wurde es Teil von Jugoslawien. Als dieser Staat nach dem Zerfall der Sowjetunion Risse zu zeigen begann, verkündeten europäische Regierungen die Anerkennung der Unabhängigkeit Sloweniens, was den Zerfall Jugoslawiens und den Balkankrieg befeuerte, nur um kurz nach Kriegsende großzügig den Beitrittsantrag Sloweniens entgegenzunehmen und das alte Gebiet wieder in den historischen Großraum zu integrieren.

 

Im 17. Jhdt. erlangte Russland die Kontrolle über die Halbinsel Krim. Nach vielen hundert Jahren zaristischer Herrschaft über die Krim wurde sie Teil der Ukraine. Als dieser Staat nach dem Zerfall der Sowjetunion Risse zu zeigen begann, verkündete die russische Regierung die Anerkennung der Souveränität und Rechte der Menschen auf der Krim, was den Zerfall der Ukraine und den Krieg der transatlantischen Westukraine gegen die freien Republiken Donezk und Luhansk befeuerte, nur um noch während des Krieges die Volksabstimmung auf der Krim zur Wiedervereinigung mit Russland anzuerkennen und das alte Gebiet wieder in den historischen Großraum zu integrieren.

 

Je eher die amerikanischen Imperialisten einer Aufteilung der Ukraine auf der Grundlage von Volksabstimmungen den Weg freimachen, desto eher endet der Krieg in Osteuropa, der dem Balkankrieg der NATO in den 90ern zum Verwechseln ähnlich sieht.

 

Dieser Artikel erscheint vorerst nur in der Online Ausgabe. Sie können das Printmagazin bei Staatsreparatur, Jungfernstieg 4 B, 12207 Berlin-Lichterfelde beziehen oder unter der Telefonnummer 030844155610 bestellen.