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Geschichtsbetrachtung nach Oswald Spengler

Geschichtsbetrachtung nach Oswald Spengler

Aus einem Vortrag von Wolfgang Heilig

Wenn im Unendlichen dasselbe
Sich wiederholend ewig fließt,
Das tausendfältige Gewölbe
Sich kräftig ineinander schließt,
Strömt Lebenslust aus allen Dingen,
Dem kleinsten wie dem größten Stern,
Und alles Drängen, alles Ringen
Ist ewige Ruh in Gott, dem Herrn.

Johann Wolfgang von Goethe

Der Träumer – Caspar David Friedrich

Biographie Oswald Spenglers

  • am 29. Mai 1880 als zweites von fünf Kindern des Postbeamten Bernhard Spengler und seiner Frau Pauline Spengler in Blankenburg am Harz geboren. Evangelisch getauft.
  • 1891 zog die Familie nach Halle an der Saale, wo Spengler die Latinader pietistisch orientierten Frankeschen Stiftungen besuchte.
  • In seiner Kindheit litt er an Nervenkrisen, Panikanfällen und Somnambulismus.
  • Nachdem er 1899 das Abitur bestanden hatte und wegen eines schweren Herzfehlers vom Militärdienst befreit worden war, studierte er in Halle, Münchenund BerlinMathematik, Naturwissenschaften und Philosophie.
  • Spengler wurde, im 2. Versuch, am 6. April 1904 an der Universität Halle zum Dr. phil. promoviert. Thema seiner Dissertation:Der metaphysische Grundgedanke der HeraklitischenPhilosophie.
  • Ebenfalls bestand er im Dezember 1904 die Prüfung für das höhere Lehramt in den Fächern: Zoologie, Botanik, Physik, Chemie und Mathematik. Thema seiner Staatsexamensarbeit: Die Entwicklung des Sehorgans bei den Hauptstufen des Tierreiches.

  • Seine größten geistigen Einflüsse waren Goethe und die Kulturkritik Nietzsches.
  • 1905 begann Spengler sein Seminarjahr in Lüneburg. Der Schuldienst sagte ihm jedoch nicht zu. Er erlitt einen Nervenzusammenbruch, woraufhin er wieder abreiste.
  • Auf Wunsch seiner Mutter nahm er 1906 eine Stelle in Saarbrücken an und absolvierte sein Probejahr in Düsseldorfan der Oberrealschule am Fürstenwall, heute Geschwister-Scholl-Gymnasium.Nachdem er die Lehrbefugnis für das Fach Mathematik erhalten hatte, trat er 1908 eine feste Anstellung als Ordinarius an einem Hamburger Gymnasium an.
  • Eine kleine Erbschaft nach dem Tod seiner Mutter eröffnete Spengler die Möglichkeit, seine Unterrichtstätigkeit aufzugeben und als freier Schriftsteller seinen literarischen Ambitionen nachzugehen. Schließlich zog er im März 1911 nach München-Schwabing.
  • 1911 – 1921: Arbeit am Hauptwerk: Der Untergang des Abendlandes. Erster Band erschien 1918 ( wenige Wochen vor Kriegsende) der zweite Band 1922. Großer publizistischer Erfolg.
  • Während seiner rund zehnjährigen Arbeit an seinem Hauptwerk lebte er isoliert, litt unter psychischen Problemen und später unter materiellen Schwierigkeiten.

  • Die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg akzeptierte er nicht. Bereits im Dezember 1918 schrieb er in einem Brief, dass der Friede nur provisorisch sein könne: Der Weltkrieg trete „erst jetzt in sein zweites Stadium“ ein.
  • Er gilt heute als Denker der konservativen Revolution. Er war Anti-Demokrat und arbeitete aktiv gegen die Weimarer Republik, welche er ablehnte.
  • So arbeitete er mit an geheimen Plänen zur Presselenkung und an Planungen rechtsgerichteter Kreise um den Chef der Heeresleitungder Reichswehr, Hans von Seeckt, die Reichsregierung unter Gustav Stresemanndurch ein autoritär regierendes „Direktorium“ zu ersetzen, in dem er selbst Bildungsminister werden sollte.
  • Die Nationalsozialisten, als deren Wegbereiter er heute gilt, lehnte er ab und bezeichnete deren Rasseideologie und Antisemitismus als zu primitive Lösungen der damaligen Problematik.
  • Wie er in seinem 1933 erschienenen Werk Jahre der Entscheidungdeutlich deutlich machte, sah er seine antidemokratischen und antiparlamentarischen Ideale vielmehr in Benito Mussolini als Diktator des faschistischen Italien erreicht.

  • Alle Versuche der Nationalsozialisten ihn für ihre Zwecke zu gewinnen scheiterten. Schließlich gab Goebbels die Order Spengler in Zukunft zu ignorieren.
  • Besonders nach dem Röhm-Putsch (1934), dem einige seiner Weggefährten zum Opfer fielen wandte er sich vom Nationalsozialismus ab.
  • In seinen letzten Jahren vertiefte er sich wieder mehr in historische Studien.
  • Spengler starb in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai 1936 in seiner Münchner Wohnung an Herzversagen.

Spenglers Hauptwerk: Der Untergang des Abendlandes

Eckdaten und Entstehung

  • 2 Bände, 1471 Seiten. Veröffentlichung: 1918-1922
  • Werk der Geschichtsphilosophie: Deutung der geschichtlichen Ereignisse unter bestimmten Gesichtspunkten. Sinn der Geschichte? (Vertreter: Hegel, Vollgraff, Lasaulx, Marx, Engels, Chamberlain)
  • Wegbereiter: Chamberlain, Grundlagen des 19. Jahrhunderts (1899)
  • Alleinstellungsmerkmal: Auftreten eines Universalgelehrtentums zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Überblick über den Stand und die Geschichte sämtlicher relevanter Geistes- und Naturwissenschaften. Verwissenschaftlichung der Geschichtsphilosophie.
  • Abwendung von der eurozentrischen Geschichtsbetrachtung: Altertum- Mittelalter-Neuzeit

Zielsetzung

„Gibt es eine Logik der Geschichte? Gibt es jenseits von allem Zufälligen und Unberechenbaren der Einzelereignisse eine sozusagen metaphysische Struktur der historischen Menschheit, die von den weithin sichtbaren, populären, geistig-politischen Gebilden der Oberfläche wesentlich unabhängig ist? Die diese Wirklichkeit geringeren Ranges vielmehr erst hervorruft?“

„In diesem Buche wird zum erstenmal der Versuch gewagt, Geschichte vorauszubestimmen. Es handelt sich darum, das Schicksal einer Kultur, und zwar der einzigen, die heute auf diesem Planeten in Vollendung begriffen ist, der westeuropäisch –amerikanischen, in den noch nicht abgelaufenen Stadien zu verfolgen.“

Zitate: Oswald Spengler, Untergang des Abendlandes S.23

Hauptthese

  • Hauptthese: zyklischer (morphologischer) Ablauf der Ursymbole der Kulturen. (Symbole= durch Seelentypus geprägte Erscheinungsformen).
  • Morphologischer Ansatz: Auffassung von Lebewesen (Pflanzen) als dynamische Einheiten die Phasen der Jugend, der Reifung, des Altern und des Absterbens durchlaufen.
  • Spenglers Auffassung : Nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern auch die künstlichen Äußerungsformen des Menschen, Kunst, Gesellschaft, Politik, Staat sind Lebenseinheiten.

Kulturcharakteristik

  • Jede Kultur besitze ihre eigene Seele, die sie aus der mütterlichen Landschaft empfangen habe, in der sie geboren worden sei. Darum glichen sich zwar die Abläufe der Kulturen, nicht aber ihr Stil und folglich auch nicht ihre Äußerungsformen.
  • Antike: apollinisch (nach Nietzsche, also sinnlich-gegenwartsorientiert, ahistorisch fühlend, im endlichen Kosmos verharrend, statisch)
  • Orient/Arabien: magisch (das heißt geheimnisvoll in die Welt hineingeworfen, dualistisch empfindend)
  • Abendland: faustisch (gewaltig ins Unendliche strebend, historisch denkend, dynamisch)

Zeittafeln

Persönliche Einschätzung

  • Umfangreiche Ansammlung an historischem Wissen.
  • Schlüssige und schöne Theorien.
  • Empfehlung: Wangenheim – Kultur und Ingenium

Es kommt offenbar im Leben aufs Leben und nicht auf ein Resultat desselben an.

Johann Wolfgang von Goethe