Seite auswählen

Piusbrüder: Ein Deutscher Papst versöhnte

Piusbrüder: Ein Deutscher Papst versöhnte

Die Pfarrkirche der Priesterbruderschaft St. Pius X ist eine der jüngsten Kirchen mit traditioneller Architektur (Foto: Bodo Kubrak)

Seit einiger Zeit gehe ich zu den Piusbrüdern in die Heilige Messe. In Berlin haben die Piusbrüder eine Kirche am Breitenbachplatz, das Priorat St. Petrus. Ich kenne viele Kirchen, aber diese Kirche ist die einzige Kirche, bei der ich sah, wie sie gebaut wurde.

Die Pius-Brüder sind Katholiken, die das zweite Vatikanische Konzil nicht anerkennen. Gegründet wurde die Bruderschaft 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre.

Auf der Website der Piusbrüder heißt es: „Bedauerlicherweise haben viele verworrene und falsche Ideen das richtige Verständnis der Wahrheit verdunkelt. Diese falschen Lehren entfernen die Seelen von Gott.“

Die sogenannte Modernisierung der katholischen Kirche in Richtung sozial-ökologischem Livestyle hat etliche Katholiken über die Jahrzehnte zunehmend verunsichert oder gar verärgert. Das erklärt den Erfolg der Piusbrüder, deren Kirchen deutlich besser besucht sind als die der Katholischen Amtskirche.

1965 war das zweite Vatikanische Konzil abgeschlossen. Es brachte pastorale und ökumenische Erneuerung in die katholische Kirche. Die wesentlichen Änderungen durch dieses Konzil, welche aber bei den Piusbrüdern nicht zu finden sind, stellen sich für den einfachen Kirchgänger wie folgt dar: Die Liturgie ist seither nicht mehr auf Lateinisch, sondern in der Landessprache, bei uns also auf Deutsch. Maria ist nicht mehr gebenedeit unter den Weibern, sondern unter den Frauen. Und der Priester wendet sich während des Ritus nicht dem Altar zu, sondern der Gemeinde. Dafür haben die katholischen Kirchen die Tafelaltäre in den Kirchenraum gestellt, wie die Protestanten.

Der christliche Laie denkt nun möglicherweise, warum auf Lateinisch predigen, wenn wir in Deutschland sind?

Wohlgemerkt, es handelt sich um die Liturgie. Also der festgelegte wechselnde Sprechgesang zwischen Pfarrer und der Gemeinde. Im Wesentlichen sind dies Wortfolgen, die bei jeder Predigt die gleichen sind und bei denen man auch in der lateinischen Sprache ungefähr versteht, um was es geht. Die Predigt ist auch bei den Pius-Brüdern auf Deutsch.

Da die Piusbrüder die Modernisierung des zweiten Vatikanische Konzils nicht mitmachen wollten, hatte man sie weitgehend als Abtrünnige aus der katholischen Kirche herausgedrängt. Erst der „deutsche“ Papst, Benedikt der XVI, hob 2009 die Exkommunikation der Pius-Brüder auf. Inzwischen stehen die Zeichen vom Vatikan zu den Piusbrüdern wieder etwas mehr auf Sturm.

Bei einer Predigt Anfang des Jahres 2021 forderte der Pater zum Fügen in die Coronabestimmungen für Heilige Messen durch die Berliner Obrigkeit. Man wolle ja auch künftig nicht von der Polizei während des Hochamts geräumt werden. Die Bedingungen seien zwar bedauerlich, allerdings sollten alle, die rumoren, an die Zeiten der Christenverfolgung zurückdenken.

Damals sei die Verfolgung wesentlich schlimmer gewesen als heute. Man hätte sich heimlich nachts im Wald zur Heiligen Messe versammeln müssen.

Andreas Wild

Dieser und weitere Beiträge erschienen in der TREND-Printausgabe Februar 2021. Sie können das Printmagazin bei Staatsreparatur, Jungfernstieg 4 B, 12207 Berlin-Lichterfelde beziehen oder unter der Telefonnummer 030844155610 bestellen.

Über den Autor

Andreas Wild

Andreas Wild ist Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, Funktionär im Kreisverband Steglitz-Zehlendorf der AfD Berlin und Unternehmer.