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Leseempfehlung: Benedikt Kaiser – Solidarischer Patriotismus

Leseempfehlung: Benedikt Kaiser – Solidarischer Patriotismus

Bei Benedikt Kaisers Buch Solidarischer Patriotismus handelt es sich um eine wissenschaftlich angelegte Grundsatzdarstellung der aktuellen sozialen Entwicklung aus rechter Sicht. Kaiser geht davon aus, dass wir entsicherten Jahrzehnten entgegengehen, in denen sich bereits bestehende soziale und identitäre Widersprüche der Gesellschaft verschärfen werden. Leidtragende seien die „kleinen Leute“ und der traditionelle deutsche Mittelstand – das Gerüst unseres Landes, die Zielgruppe alternativer Politik.

Nach einem definitorischen Teil zu Grundbegriffen der „Sozialen Frage“ behandelt Kaiser diese Frage in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und kommt zu dem Resümee, Leidtragende künftiger Wirtschaftskrisen seien nicht Unter- oder Oberschichten (die einen besäßen zu wenig, die anderen verfügten über multiple Formen von beständigem Eigentum und könnten anderes wiederum sichern oder verschieben), sondern die breiten Mittelschichten, die insbesondere über „klassische“ Anlageformen (wie Sparbücher, Tagesgeldkonten oder Barvermögen) verfügten. Während die Linkspartei vor allem für die Unterschichten Partei ergreife, seien FDP, Grüne, SPD und CDU/CSU mannigfaltig mit der „großen“ Wirtschaft verflochten. Hier sei ein Vakuum entstanden, das die AfD als Partei der tatsächlichen Mittelschicht (sie reiche vom Facharbeiter bis zum Handwerksmeister, vom Selbständigen bis zum Unternehmer mit einem Dutzend oder hunderten Mitarbeitern) füllen könnte. Die AfD könne und müsse hier für jene Millionen Deutsche in die Bresche springen, die „klassenpolitisch“ faktisch nicht repräsentiert werden (auch wenn propagandistische Verlautbarungen bestimmter Altparteien selbstverständlich anderes anklingen lassen). Doch sei die AfD qua Programmatik und Personal tatsächlich der schließende Akteur der Repräsentationslücke und eine glaubhafte Alternative für die sozioökonomische Mitte? Es gebe Anlaß zu Zweifeln, aber auch Hoffnung, dass man dort, wo nun die Richtungsentscheidungen fallen, Lage und Chance erkennt.

Kaiser setzt hier auf den Dualismus von Solidarität und Identität im Rahmen einer anzustrebenden solidarischen Leistungsgemeinschaft, die eine gehegte soziale Marktwirtschaft umfaßt, aber keine Marktgesellschaft darstellen will. Auf diesem Wege seien AfD-Politiker wie Tino Chrupalla, Alexander Gauland oder Björn Höcke zu bestärken, denen die eklatanten Mängel einer rein wirtschaftsliberal ausgerichteten Alternative ein Dorn im Auge seien und die daher ein solidarisch-patriotisches Konzept für „kleine Leute“ und den vielschichtigen und für Deutschland so bedeutsamen Mittelstand favorisieren würden.

Herbert Herrmann

Alain Felkel „Aufstand – Die Deutschen als rebellisches Volk“,
Kopp Verlag, 2018, 608 S., 12,99 €,
ISBN 978-3-86445-582-7

Dieser und weitere Beiträge erschienen in der TREND-Printausgabe Februar 2021. Sie können das Printmagazin bei Staatsreparatur, Jungfernstieg 4 B, 12207 Berlin-Lichterfelde beziehen oder unter der Telefonnummer 030844155610 bestellen.