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Polnische Weihnachten

Polnische Weihnachten

Von Andreas Wild

Ich war zweimal am Heiligen Abend in Polen, 2003 und 2006, jeweils in der Nähe von Zakopane, einer alpin anmutenden Gegend in Südostpolen. Die dort ansässigen Polen bezeichnet man als Góralen (gesprochen wie „Guralen“) von „góra“ für „Berg“.

In Polen deckt man immer einen Teller mehr als Gäste da sind – er ist für den möglicherweise unvorhergesehen kommenden Gast. So wird die Erwartung des Herrn Jesus Christus gezeigt – das zusätzliche Gedeck kann aber auch für einen Hungrigen von der Straße sein, was immer mal wieder vorkommt. Zur Erinnerung an die Stallumgebung in Betlehem wird Stroh unter die Tischdecke gelegt. Weihnachten in Polen beginnt mit einem Gebet: Dem polnischen „Vater unser“.

Polnisches Weihnachtsessen ist immer fleischlos. Typischerweise gibt es nach dem Hauptgericht – der in Osteuropa weit verbreiteten Suppe mit dem Namen „Borschtsch“ – Karpfen oder Dorsch. Borschtsch enthält den für deutsche Ohren ungewöhnlichen Dreifachkonsonanten „schtsch“, der im kyrillischen Alphabet ein eigenes Zeichen hat: щ. Borschtsch besteht aus Brühe mit roter Bete und Essig. Eine besondere Form der maultaschenartigen „Pierogi“, kleine Teigkegel, sogenannte „Ushka“ (dt. Öhrchen) gibt’s an Weihnachten, gefüllt mit angebratenem Steinpilz- und Zwiebelhack.

Die polnischen Weihnachtslieder bestehen aus dem auch bei uns üblichen Repertoire, natürlich mit polnischem Text. Eine besondere Sitte ist das Teilen der Oblaten. Das Familienoberhaupt bricht eine große, meist postkartengroße Relief-Oblate und verteilt die Stücke der Reihe nach an die Familienmitglieder. Weihnachtswünsche werden aus der Runde für alle vorgetragen.

Nach dem Essen werden die Kinder aus dem Raum geschickt, und die Geschenke von den Frauen hereingebracht. Der Weihnachtsbaum ist wie in Deutschland mit Kerzen und Glaskugeln geschmückt, darüber hinaus auch mit bunt gefärbten Plätzchen, die in der Vorweihnachtszeit von Frauen, Großmüttern und Kindern selbst hergestellt werden.

Ich schließe mit „Frohe Weihnachten“ auf polnisch, das man ungefähr ausspricht wie „Wisauich Chschwinond“:

Wesołych Świąt

Über den Autor

Andreas Wild

Andreas Wild ist Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, Funktionär im Kreisverband Steglitz-Zehlendorf der AfD Berlin und Unternehmer.