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Särge und Soziales – Ein ganz normaler AfD-Parteitag?

Särge und Soziales – Ein ganz normaler AfD-Parteitag?
Titelbild: Blick vom Podium auf den Parteitag in Kalkar – ein goldener Streifen ergänzte schwarz und rot, aber die Bildsprache war dennoch eindeutig (Foto: TREND)

Während der AfD-Sozialparteitag in Kalkar symbolisch für ein geeintes und solidarisches Vaterland stand, wirkte die politische Kommunikation der Partei widersprüchlich. Zwar steht die Beendigung der demografischen Katastrophe im beschlossenen Sozialprogramm an vorderster Stelle, aber bei der Mehrzahl der neu gewählten Mitglieder des Bundesvorstandes und anderer Gremien war nicht erkennbar, daß sie eine klare Vorstellung davon gehabt hätten, welcher Weg uns tatsächlich aus der Krise führt und mit welch gewaltigen und sensiblen Problemen wir uns nicht nur als Partei, sondern auch als Volk zu befassen haben, damit wir nachhaltig in eine bessere Verfassung geraten als wir es heute sind.

Den stärksten Auftritt als Herausforderer gegen die Agenda des Ungefähren hatten der EU- und Wirtschaftspolitiker Dr. Maximilian Krah und das Freiburger Alphatier Dubravko Mandic. Trotzdem konnte keiner von beiden eine Mehrheit der Delegierten hinter sich vereinen. Stromlinienförmige und blasse Kandidaten wurden gewählt. Die Rivalität zwischen Meuthen und Mandic trat offen zu Tage, als ein Delegierter ein comichaft bearbeitetes Musikvideo thematisierte, in dem Mandic und andere ehemaligen Flügler einen Sarg mit Meuthens Gesicht darauf tragen und dabei tanzen. In seiner Eröffnungsrede hatte Meuthen die Aufständischen und die Sozialpatrioten barsch zur „Disziplin“ aufgefordert. Von Bismarck bis Querdenken bekamen alle ihr Fett ab. Wenn Meuthen die Partei mit dieser Rede auf einen Erfolgskurs einschwören wollte, dann hat er seine Berater und Redenschreiber mit Sicherheit am nächsten Tag entlassen.

Das Personal mit der besten Allgemeinbildung, der konsequentesten Haltung und der höchsten Intelligenz muß zunehmend aus dem Hintergrund arbeiten. Die Zahl der Funktionäre, die versuchen, die Rechnung ohne das Volk zu machen, nimmt zu, auch wenn sich diese neuerdings gerne mit den Farben des Deutschen Reiches schmücken.

„Ich habe mich weder gegen Otto von Bismarck als bedeutende Figur der deutschen Geschichte ausgesprochen, sondern ich hab‘ gesagt, daß die Rezepturen für das Morgen nicht zu gebrauchen sind. Das ist was völlig anderes“, meint Meuthen. Während zu Bismarcks Zeiten die Industrialisierung und Automation der Güterproduktion Menschen in schlecht bezahlte bis prekäre Arbeitsverhältnisse, die der neu entstandenen Abfertigungsmaschinerie nachgeordnet waren, drängte, droht heute die Industrialisierung und Automation von Denk- und Verwaltungsarbeit allerdings dasselbe zu tun. Und beide Male erzielen diese Monopole exorbitante Gewinne, die weder im Staatssäckel als Steuereinnahmen noch bei der Bevölkerung ankommen. Wie soll angesichts dieser Parallelen Bismarcks Sozialstaat überholt sein?

Der Weizen muß sich selbst säen, weil die unfruchtbare Spreu dies sicher nicht tun wird. AK

Dieser und weitere Beiträge erschienen in der TREND-Weihnachtsausgabe 2020. Sie können das Printmagazin bei Staatsreparatur, Jungfernstieg 4 B, 12207 Berlin-Lichterfelde beziehen oder unter der Telefonnummer 030844155610 bestellen.

Über den Autor

Aaron Kimmig

Aaron Kimmig ist Student der Informatik an der Universität Freiburg und Redakteur bei TREND. In seiner Freizeit schreibt er Klavierstücke.